Buurtzorg NL - ein Modell für die österreichische Sozialwirtschaft?

February 7, 2017

Vielleicht kein Zufall, dass Jos de Blok kürzlich in Wien zu Gast war. Denn sein Hauskrankenpflege-Modell Buurtzorg (das heißt soviel wie  Nachbarschaftshilfe auf NL)  verbreitet sich gerade in rekordverdächtigem Tempo. Was er 2007 mit gerade mal vier Beschäftigten startete, ist heute eine Organisation mit 13.000 MitarbeiterInnen in acht Ländern. Und weil es Jos de Bloks Interesse immer stark bei den Kunden und Kundinnen liegt und er als ehemaliger Krankenpfleger keine großen Strukturen mag, hat er ein Organisationsmodell entwickelt, dass extrem flach und hierachiearm ist.

 

Tatsächlich hat die Organisation gerade mal drei Hierachiebenen wenn man Jos mit einrechnet. Die Verwaltung beschäftigt erstaunlich wenige Menschen: nur 45 Personen in der Administration und 15 Coaches, die die Pflegeteams im ganzen Land beim Start und bei schwierigen Situationen unterstützen. Bei Buurtzorg gibt es somit fast keine Hierachie, keine Führungskräfte und Stabsstellen und, was sehr wichtig ist, auch keine komplizierten Erfassungs- und Kontrollsysteme für die Arbeitsleistungen.

 

In Holland hat das Modell die Pflege revolutioniert. Fast könnte man von der Qadratur des Kreises sprechen: Die Kosten wurden um 1/3 gesenkt, hohe Zufriedenheitswerte der Klienten und Klientinnen und des Pflegepersonals und eine sehr geringere Hospitalisierungs- bzw. Aufnahmerate in Pflegeheime sind einige Ergebnisse. Und ganz nebenbei hat Jos de Blok auch noch eine Änderung  des NL - Messsystems im Sinne einer stärkeren Outcomeorientierung erreicht.

 

Das System Buurtzorg zeigt, welche Möglichkeiten zur Neuorganisation von sozialen Dienstleistungen gegeben sind. Der Kern des Systems sind die kleinen Teams von bis zu zwölf Pflegekräften, die ihre komplette Arbeit selbstorganisiert erledigen. Nur wenn es mal besonders schwierig ist, fordern die Teams einen der Coaches an, um mit seiner/ihrer Hilfe die Lage zu klären. Ein cleveres IT System unterstützt sie bei der Datenerfassung und ein elektronisches Blog gibt allen die Möglichkeit, sich zu vernetzen. Ja und manchmal postet Jos de Blok auch einen Gedanken zur Veränderung der Organisation und holt auf diese Weise rasch unmittelbares Feedback ein. Weiter Infos zu diesem spannenden Ansatz gibt es hier.

 

Längst hat der Diskurs über die Anwendbarkeit des Modells den Pflegebereich verlassen. Diskutiert wird etwa ob das Modell sich auf Schulen, Pflegeheime, Krankenhäuser übertragen lässt.

 

 

 

 

 

 

 

 

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